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Chelsea Manning: "Whistleblowing ist eine Form des zivilen Ungehorsams."

Letzte Woche konnten wir Chelsea Manning auf der Berliner Konferenz re:publica, eine der größten Konferenzen im Bereich digitaler Gesellschaft, beobachten. Ihre Anwesenheit wurde von Publikum und Medien mit überraschter Ehrfurcht begutachtet. Nicht oft verirrt sich ein Charakter von derartiger Bekanntheit auf die Berliner Konferenz.

 

Anders als in den USA dürfte die 30-jährige in Deutschland und Europa als Heldin gefeiert werden. Als Soldatin der amerikanischen Streitkräfte hatte Manning tausende geheime Dokumente über die Kriege im Irak und in Afghanistan an die Enthüllungsplattform WikiLeaks weitergegeben. 

 

Sie wurde zu 35 Jahren Haft verurteilt. Von denen sie mehrere Monate in einem Stahlkäfig in der Wüste  und insgesamt ein Jahr lang in Isolationshaft verbrachte. Nach 7 Jahren in Haft erließ Barack Obama ihr kurz vor Ende seiner Amtszeit vorzeitig den Rest ihrer Haftstrafe. Präsident Donald Trump bezeichnete Manning damals als "Verräterin".

 

In Berlin sprach Manning über die Risiken Künstlicher Intelligenz. Insbesondere vor dem wachsenden Einfluss von Technik und Algorithmen auf unseren Alltag warnte sie. Dennoch zeigte sich in ihrer Rede auch Optimismus. Ein Kulturwandel sei möglich. "Wir können Dinge erreichen und wir sollten versuchen, das zu tun, derart äußerte sich die US-Amerikanerin in einem Interview.

 

Chelsea Manning selber möchte nicht als Whistleblowerin bezeichnet werden. "Ich mag die Bezeichnung Whistleblower gar nicht. Ein Whistleblower tut im Kern das Gleiche wie jemand, der auf der Straße gegen etwas protestiert. Es ist eine Form des zivilen Ungehorsams wie jede andere."

 

Derzeit bewirbt sie sich für die Demokraten um einen Sitz im US-Senat. Mutige Menschen wie Chelsea Manning, die manchmal ohne Rücksicht auf die Konsequenzen aber mit dem Ziel der Menschlichkeit vor Augen handeln, können in den USA gerade in heutiger Zeit ein Zeichen der Hoffnung sein.

 

 


Quelle: Spiegel.