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Angst lohnt sich nicht. Ein Appell an die Angst.

"Es gibt keine Grenzen. Weder für Gedanken, noch für Gefühle. Es ist die Angst, die immer Grenzen setzt."

 

Ingmar Bergman

 

 

Angst grenzt uns ein. Sie zieht buchstäblich Mauern um uns. Große, unüberwindbare Mauern. Das Gefühl der Angst hindert uns daran, das Leben leben zu können, das wir eigentlich leben wollen. Angst schränkt uns ein. Sie hält uns hinter unseren Möglichkeiten zurück. Und das, obwohl sie gar nicht real ist. 

 

 

 

 

Was ist Angst?

 

 

 

Angst ist ein Gefühl. Es gehört zu unserer Grundausstattung, neben Wut, Liebe, Trauer, Freude und Scham. Sie soll uns helfen, in gefährlichen Situationen schnell zu reagieren. Dafür wird der Körper in einen Alarmzustand versetzt. Die Pupillen weiten sich, die Muskeln spannen sich an, Herzfrequenz und Atmung beschleunigen sich. 

 

Dabei ist es völlig egal, ob die Bedrohung echt ist oder eingebildet. Die Reaktion bleibt die Gleiche. Es ist völlig unerheblich, ob von der Wespe, die in zwei Meter Entfernung so dahin schwebt, eine Gefahr für dich ausgeht oder wohl eher nicht. 

 

Dennoch ist diese Reaktion völlig normal, oder viel eher evolutionär bedingt. Ohne Angst wäre die Menschheit längst ausgestorben. Wäre der Mensch damals vor Bären nicht weggelaufen, gäbe es uns alle heute nicht. Aus evolutionärer Sicht ist Angst eine vollkommen normale Antwort auf eine sich nähernde Gefahr. 

 

Berechtigterweise darf man an dieser Stelle fragen, wann bist du das letzte Mal vor einem Bären davongelaufen? 

 

Und hier kommen wir zum eigentliche Problem der Angst. Sie ist in den meisten Fällen völlig irrational. 

 

 

 

Hab keine Angst vor der irrationalen Angst.

 

 

 

Irrationale Ängste sind ein Teil unseres Lebens. Wir fürchten uns vor dem Unbekannten, davor nicht akzeptiert zu werden, davor unerwartet zu sterben, davor mit anderen Menschen zu sprechen, davor im Alter arm zu sein, und vor vielen anderen Dingen. Nur das diese Ängste keine akute reale Gefahr für uns darstellen, sondern vielmehr bloß ein Gedankenspiel sind. 

 

Ganz oft ist uns auch bewusst, dass unsere Angst nicht rational ist. Wir wissen, dass wir gerade irrational reagieren. Meistens lassen wir uns nur dennoch von unserer körperlichen Reaktion einschränken. Wir ergeben uns einer nicht begründeten Angst. Wir ergeben uns einer in unserem Gehirn entstandenen Gefahr. 

 

Ja wir scheitern manchmal, und ja das fühlt sich auch echt nicht gut an. Wir alle kennen den Schmerz, zu fallen, zu scheitern, etwas vergeigt zu haben. Davon geht jedoch in den allermeisten Fällen keine ernsthafte Gefahr für unser Leben aus. Und auch das Gefühl des Schmerzes oder der Leere hat meist nach wenigen Monaten keine Bedeutung mehr. 

 

Oft ist die Angst vor dem ersten Schritt am größten. Kurz bevor du die Frau ansprichst, die dir schon den gesamten Abend über aufgefallen ist. Kurz bevor du zum Telefon greifst, und das lange notwendige Gespräch führst oder kurz bevor du den Sprung vom Fünfmeterturm wagst.

 

Tatsächlich ist es aber so, dass, sobald der erste Schritt getan ist, es deutlich einfacher wird. Sobald wir anfangen etwas zu tun, wird die irrationale Angst durch die Realität ersetzt. Es wird deutlich, dass wir nicht in Gefahr sind. Hat man also den ersten Schritt hinter sich gebracht, liegt auch der furchtbarste Teil schon hinter einem.

 

 

 

Wie lässt man die Angst nicht gewinnen?

 

 

 

Das große Problem liegt darin, dass wir denken wir müssten die Angst loswerden. Wir weigern uns, sie zu ertragen. Wir sind der Meinung, wir können erst handeln, wenn wir keine Angst mehr haben. Die einzige uns offensichtliche Lösung ist also, der Angst aus dem Weg zu gehen. 

 

Und das schränkt uns ein. Ein Leben ohne Risiko, ohne Angst lässt uns hinter unseren Möglichkeiten zurück. Wir schonen uns zu Tode. Das, was uns also wirklich zurück hält im Leben ist nicht die Angst an sich, sondern die Weigerung, Angst zu ertragen. 

 

 

 

Wie macht man Angst nun aber erträglich? 

 

 

 

1. Hör auf sie zu verstecken. Nimm deiner Angst ihr Mysterium, indem du über sie sprichst. Akzeptiere, dass sie da ist, und schäme dich nicht für sie. Alles, was verdrängt wird, wird nur stärker. Teilst du anderen Menschen, deine Ängste mit, so hat das eine unglaublich heilsame Wirkung. Verdrängung baut Druck auf, öffnest du dich aber, kannst du diesen inneren Druck entlassen. Und glaub mir, andere Menschen akzeptieren deine Verletzlichkeit. Sie macht dich sogar ungemein sympathisch.

 

2. Lerne, Kontrolle abzugeben. Gerade Menschen, die immer alles kontrollieren wollen, bekommen Probleme mit der Angst. Unsicherheit und Ungewissheit sind aber Teil unseres Lebens. Und wenn man mal ehrlich ist, wirklich sicher wissen wir eigentlich gar nichts. Das Leben und die Angst lassen sich nicht kontrollieren. Kann man diese Tatsache akzeptieren, so fällt es wesentlich leichter, mit Ängsten zu leben. 

 

3. Ersetze die Angst durch Gewohnheit. Hast du Angst vor dem Sprechen, sprich jeden Tag ein kleines bisschen. Mit irgendjemanden. Und tue dies regelmäßig. Hast du Angst vor Spinnen, komme diesen jeden Tag ein bisschen näher. Trau dir jedesmal ein wenig mehr zu. Die Gewohnheit wird auf lange Sicht deine Angst ersetzen. 

 

4. Lerne dich und deine Bedürfnisse kennen. Angst ist dann besonders groß, wenn wir so leben, wie wir eigentlich nicht leben wollen. Es ist unfassbar wichtig, sich selbst über seine Bedürfnisse im Klaren zu sein. Nur so kannst du dein Leben so gestalten, wie du es dir vorstellst. Dafür muss man sich Zeit nehmen; in der Stille in sich selber hineinhorchen. Aber es lohnt sich. Erkennt man ehrlich, wie man sein Leben gestalten möchte, birgt dies uneingeschränkte Möglichkeiten. Und lähmende Ängste haben dann kaum noch eine Chance. 

 

 

 

 


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