· 

Edeka im Streit mit Nestlé

 

Es ist einmal wieder soweit: Nestlé ist präsent in den Medien. Dieses mal geht es allerdings nicht um einen weiteren Skandal, sondern um eine Auseinandersetzung mit Edeka. Überall können wir lesen, dass die Supermarktkette den Verkauf der Nestlé-Produkte zu boykottieren versucht, um damit Druck auf den Markengiganten auszuüben.

 

Edeka steht hier nicht alleine vor dem Riesenunternehmen aus der Schweiz, sondern agiert als Teil einer Händlerallianz, der Agecore. Nur mit Hilfe dieser Allianz, die eine nicht unerhebliche Marktmacht gegenüber Nestlé innehat, könnte es überhaupt zu einem Einlenken Nestlés kommen.

 

Im Prinzip ist es erfreulich, wenn Nestlé-Produkte nicht mehr verkauft werden. Edeka beabsichtigt mit seiner Vorgehensweise, den hohen Einkaufspreis von Nestlé-Produkten zu drücken. Die Supermarktkette strebt darüber hinaus auch eine finanzielle Beteiligung seitens Nestlé an Edekas Dauer-Werbeaktionen und eine höhere Bezahlung für die bessere Platzierung in den Verkaufsregalen an. Der Grund, den Edeka hier verfolgt, ist zwar unternehmerisch verständlich, in ethischer Hinsicht allerdings fast schon verwerflich. Denn wir sollten uns stets vor Augen führen, wie dieser riesige Lebensmittelkonzern aus der Schweiz zu seinen Waren kommt und wie er diese vertreibt. Nestlé ist kein unbeschriebenes Blatt und war in die verschiedensten Skandale verwickelt.

 

Gleich zwei Mal sorgte Nestlé mit seinem Milchpulver für einen Eklat. In den 70ern und 80ern vermarktete das Unternehmen sein Milchpulver in Asien und Afrika, indem Mitarbeiterinnen als Krankenschwestern verkleidet jenes an Mütter abgaben. Die Mütter glaubten, das Milchpulver sei besser für ihre Babies als ihre Muttermilch und hörten auf, ihre Kinder zu stillen. Eine Aufklärung über Risiken oder Vor- und Nachteile der Ernährung mit Milchpulver fand nicht statt. Hierdurch kam es zu einer Abhängigkeit von Nestlé, die sich die meisten Frauen auf Dauer jedoch nicht leisten konnten. Da der Großteil obendrein keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hatte, wurde der Mix von schmutzigem Wasser mit Nestlés Milchpulver zu einem Todescocktail für mehrere Millionen Babies. 2008 wurde in China von Nestlé verunreinigtes Milchpulver auf den Markt gebracht, was bei seiner Verwendung zu schwersten Nierenerkrankungen führen konnte. Dadurch mussten hunderttausende Kinder behandelt werden. Erst kürzlich stand das Milchpulver aufgrund einiger Zusatzstoffe und einer irreführenden Werbung erneut in der Kritik.

 

Für Aufsehen erregte das Unternehmen und seine Schokoladenindustrie, als man herausfand, dass es bedeutend von der Kindersklaverei in Westafrika profitiert. Diverse Klagen wegen dieser schweren Menschenrechtsverletzung wurden erhoben. Sonderlich viel geändert hat sich an den Bedingungen in Ghana und der Elfenbeinküste nicht. Die Zahlen der Kinderarbeit hat sich in den vergangenen Jahren sogar erhöht. Mit Blick auf diese brenzlige Thematik ist die Dokumentation aus dem Jahre 2000 Slavery: A Global Investigation zu empfehlen. 

 

Nicht zu vergessen ist das Geschäft mit Nespressokapseln. Der Kaffeekonsum boomt immer weiter und die Verwendung von Kapseln hinterlässt Unmengen an Plastikabfall. Es steht außer Frage, dass dieser Müll spürbar schädlich für unser Klima wie für unsere Umwelt ist.

 

Das für einige Nestlé-Produkte verwendete Palmöl hat die Rodung von Regenwald zur Folge und nimmt unzähligen Lebewesen ihren Lebensraum. Auch führt Nestlé für seine Kosmetika Tierversuche an Mäusen durch und stoppt diese nicht, obwohl es dem Unternehmen durchaus möglich wäre.  

 

Schlimm ist in gleicherweise die angestrebte Monopolstellung Nestlés für Trinkwasser. Das teure Tafelwasser, das Nestlé in den Industriestaaten zum Verkauf anbietet, wird aus dem Grundwasser in Entwicklungsländern gewonnen. Dabei sinkt dort der Grundwasserspiegel immens und sorgt dafür, dass Brunnen austrocknen und Felder nicht mehr bewässert werden können. Den dort lebenden Menschen wird dadurch nicht nur das Wasser genommen, sondern auch die Möglichkeit, Nahrungsmittel zu pflanzen, und das alles nur, damit Nestlé das Wasser teuer an uns verkaufen kann. Für Empörung sorgte die Begründung für dieses Vorgehen seitens des Verwaltungspräsidenten von Nestlé, Wasser sei kein öffentliches Gut und der Zugang hierfür kein Menschenrecht; Wasser hätte einen Marktwert. 

 

All das sind bei weitem keine Dinge, über die man als Supermarkt, der für Nachhaltigkeit wirbt, hinwegsehen sollte. Edeka ist es möglich, seinen Kunden alternative Ware anzubieten und den egoistischen Preisdruck auf Nestlé sein zu lassen. Da es Edeka entgegen seiner Unternehmensphilosophie vorrangig wohl aber nicht um unseren Planten, sondern um einen günstigen Einkaufspreis geht, liegt es im Endeffekt an uns Kunden, einen großen Bogen um Nestlé-Produkte zu machen. Selbst wenn Nestlé-Produkte eine große Anzahl an Lebensmittelmarken ausmachen, so bleibt anzumerken, dass sie nicht alternativlos sind und gute Grunde dafür sprechen, auf solche Alternativen zurückzugreifen.