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Gefährliche Reue. Warum sie uns im Leben einschränkt und wie wir sie überwinden können.

"Es ist besser zu genießen und zu bereuen, als zu bereuen, dass man nicht genossen hat"

 

Jeder hat sie. Die Frau, die man hat gehen lassen, obwohl man im Nachhinein feststellt, dass sie die Richtige ist. Den Mann, den man betrogen hat, weil er einem irgendwann zu langweilig wurde. Die Person, die man nicht gesehen hat, weil man auf jemand anderen fixiert war. Große Lieben, die nicht gelebt wurden, weil man einen Fehler gemacht hat. 

 

Wir alle haben Menschen schon verletzt, wurden verletzt und haben uns von Zeit zu Zeit ganz schön daneben benommen. Manche Fehler wiegen dabei schwerer als andere. Während der eine aufgrund des Vernichtens einer ganzen Tafel Schokolade ein derart schlechtes Gewissen entwickelt, das für so manchen Serienmörder angemessen wäre, haben andere Fehler begangen, bei denen anderen Menschen schwerwiegend zu Schaden gekommen ist.

 

In jedem von uns stecken Dinge, die wir gerne anders gemacht hätten, oder am liebsten überhaupt nicht. Das Gefühl von Reue. Fehler bereuen tun wir alle.

 

Je länger wir leben, umso mehr häufen wir von diesen Dingen, die wir gerne anders gemacht hätten, an. Unser Berg an Reue, den wir mit uns rumschleppen, wächst. Schließen wir nicht mit ihnen ab, können sie unser Wohlbefinden einschränken. Fehler in alten Beziehungen, könne neue Beziehungen erheblich belasten und uns darin hindern, glücklich zu sein. 

 

Warum fällt es uns so unglaublich schwer, uns selbst zu verzeihen? Wir klammern uns an das Gefühl der Reue, wie als wäre es unser letzter Rettungsanker. Und warum? Weil wir Angst vor Veränderungen haben. Wir haben Angst davor, uns gut fühlen zu können. Wir messen mit zweierlei Maß, wobei wir uns selbst oft am härtesten bestrafen, während wir anderen Menschen zumeist relativ leicht verzeihen können. 

 

Loslassen liegt nicht in unserer Natur. Menschen mögen das Bekannte. Für uns stellt dieser unfassbar befreiende Vorgang einen unmenschlichen Kraftakt dar. Wir vernachlässigen nur oft, dass all unsere Entscheidungen die "guten" und die "schlechten" und genau dort hin gebracht haben wo wir jetzt sind. Und das ist in den meisten Fällen ziemlich gut.

 

Ganz besonders, wenn die Reue noch sehr frisch ist, der große Fehler gerade erst begangen, dann fehlt uns der Blick auf das große Ganze. Wir sehen nur den Moment, aber vernachlässigen das, was aus uns werden könnte. Das, was wir lernen könnten.

 

Eine Entscheidung zu treffen, ob nun richtig oder falsch, ist immer noch besser als keine Entscheidung zu treffen. Wir könnten und sollten uns eigentlich zu diesem Schritt beglückwünschen. Jede Entscheidung bringt uns in  eine Richtung und was am wichtigsten ist, jede Entscheidung bringt uns voran. 

 

Doch anstatt uns über unseren Mut zu freuen, verlieren wir uns in Reue. Aber sollten wir nicht stattdessen lieber dankbar sein? Reue entsteht durch ein gelebtes Leben. Was ist schöner, als von sich behaupten zu können, sein Leben gelebt zu haben?

 

Aber wie kann man nun dieses "ekelhafte" Gefühl der Reue loslassen? Man kann zum einen akzeptieren, dass Fehler ziemlich normal sind und absolut jedem passieren. Ein weiterer Schritt wäre, Veränderungen zu umarmen. Sie sind absolut immer gut für uns, auch wenn sie sich instinktiv ziemlich schlimm anfühlen. Aber ist man erstmal über die anfänglich Angst hinweg, ist man meisten über die Veränderung äußerst dankbar. Nicht selten hat man einen Schritt in Richtung zu einem besseren Ich gemacht. 

 

Leidet man gerade noch sehr frisch unter dem Gefühl der Reue, und ist sich sicher, überhaupt nicht in der Lage sein zu können los zu lassen, so lohnt es sich, sich folgende Fragen zu stellen. Versuche in einem ersten Schritt, das Gefühl anzunehmen. Versuche es ausnahmsweise nicht zu bekämpfen, sondern lass es einfach da sein. Frage dich, ob du dieses Gefühl für diesen Moment annehmen könntest? In einem nächsten Schritt mache dir bewusst, ob du dieses Gefühl auch loslassen könntest? Zwinge dich zu nichts, wenn du hierzu noch nicht gänzlich bereit bist, ist auch dies in Ordnung. Falls aber doch, frage dich, wann du dieses Gefühl loslassen möchtest? Lautet die Antwort "Jetzt", dann steht dem wohl nichts mehr im Wege.

 

Wiederhole diese Fragen, so oft du möchtest und so oft es dir richtig erscheint. So lange bis du losgelassen hast. Forme eine Gewohnheit aus dem Loslassen. Lese hierzu auch den Artikel  "Die Kraft der Gewohnheiten. Wie sie uns beeinflussen und wie wir sie nutzen können, um unser Leben radikal zu verbessern."

 

Und schlussendlich verarbeiten wir falsche Entscheidung zudem häufig leichter als das Gefühl irgendwas verpasst zu haben. 

 

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