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Gebt Rechts weniger Aufmerksamkeit. Warum es sich lohnt, die AFD zu ignorieren

Mit ihrem Wahlerfolg bei der Bundestagswahl 2017 erreichte die AFD, was viele zunächst nicht einmal zu befürchten wagten: sie zog als erste rechtspopulistische Partei seit Ende des Nationalsozialistischen Regimes in den Bundestag ein. Und wie. Aus dem Nichts bildet sie ab sofort mit 12,6 % die drittstärkste Fraktion. Die Unzufriedenheit in Teilen der deutschen Bevölkerung und ein geniales Marketingkonzept von Seiten der AFD haben den Weg für diesen Erfolg geebnet.

 

Trotz einiger Zerwürfnisse im Anschluss an die Wahl erweist sie sich zudem als relativ gestärkte und einige Fraktion mit ihren beiden Spitzen Alice Weidel und Alexander Gauland. Fraglich bleibt, wie Politiker, Parteien, die Medien und die deutsche Bevölkerung in Zukunft damit umzugehen haben. Für die Bundesrepublik ist diese Erfahrung völlig neu, andere europäische Länder haben schon jahrzehntelang Erfahrung im Umgang mit rechtspopulistischen Parteien. Kann Deutschland also von ihnen etwas lernen im Umgang mit der AFD?

 

Bisher lässt sich in allen Bereichen bloß eine gewisse Aggressivität und die volle Aufmerksamkeit auf sämtliche Aktivität jener rechtspopulistischen Ansammlung feststellen. Die deutschen ideologischen Wurzeln im Nationalsozialismus und die daraus entstandene Wachsamkeit sind das eigentliche Problem. Eine gewisse Überempfindlichkeit, was diese Thematik betrifft, ist absolut unerlässlich und würde man sich in manchem anderen fortschrittlichen Staat, in dem selbst der eigene Präsident die Rechte andersfarbiger bedroht, wünschen. Dennoch kann zu viel Aufmerksamkeit und aggressives Abwehrverhalten in die gegenteilige Richtung ausschlagen.

 

Aufmerksamkeit und der Trotz einer unzufriedenen Bevölkerung sind das Wasser auf den Mühlen der rechtspopulistischen Propaganda und dementsprechend deren Grundlage für zukünftiges Handeln. Vergleichbar ist dies mit dem Gebaren unerzogener Kinder. Sich schreiend auf den Boden werfend mit dem Zweck Aufmerksamkeit zu bekommen und den eigenen Willen durchzusetzen, ist ein klassisches Verhaltensmuster, dem nur mit Gelassenheit und einer ignoranten Haltung entgegengewirkt werden kann.

 

 

Dieser Artikel soll in keinem Fall die Bedeutung einer strikten Verurteilung rechten Gedankengutes abstreiten oder verharmlosen. Aufklärung ja, Stimmungsmache nein. Nimmt man sich das skandinavische Regierungsgeschäft in Norwegen und Dänemark zum Vorbild, kann man im deutschen Regierungsalltag noch einiges lernen. So gehen im dänischen und norwegischen Parlament alle Parteien absolut unbefangen sogar alltäglich mit den Rechtspopulisten um. Selbst Teile der Linksausgerichteten sehen keinerlei Probleme darin, mit den Rechten zu koalieren.

 

Solange sich die AFD durch andere Parteien und die Medien zu Provokationen ermuntert fühlt, so lange wird sie auch in einer aufgeheizten und unzufriedenen Bevölkerung auf offene Ohren treffen. Einziger Weg zu einem Bundestag ohne rechtspopulistische Beteiligung ist die Bekämpfung solcher Faktoren wie Altersarmut, Perspektivlosigkeit und Wohnungsknappheit, die Teile der deutschen Bevölkerung so unzufrieden macht, so dass die Alternative für Deutschland eben keine Alternative mehr darstellt.

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